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Mittlere Generation — Ausflug nach Lich

Am 05. Mai 2018 trafen wir uns um 9 Uhr am Schiersteiner Bahnhof. Da offensichtlich viele der üblichen Teilnehmer anderweitig beschäftigt waren, waren wir, als sich der Zug pünktlich um 9:16 Uhr in Bewegung setzte, eine echte Kleingruppe von insgesamt sechs Reisenden, die sich, geführt von Pfarrer Falk, zuerst einmal in Richtung Frankfurt gen Lich auf den Weg machte.

In Frankfurt fanden wir ohne Schwierigkeiten den Anschlusszug, der uns nach Gießen bringen sollte. Da einige der Mitfahrer sich entlang der Strecke gut auskannten, erfuhren wir schon unterwegs manches Neue zu Orten und Burgen entlang der Strecke. Auch in Gießen kamen wir pünktlich an und konnten den letzten Teil der Fahrt ziemlich auf die Minute genau beenden.

Den ersten Eindruck von Lich vermittelte uns die große Anlage der Licher Brauerei, direkt am Bahnhof gelegen. Leider musste die eigentlich geplante Besichtigung ausfallen, da es samstags keine Führungen gibt. Gut, dass es zwar schönes Wetter für unseren Ausflug gab, aber die Temperaturen doch eher gemäßigt waren, sodass wir das sicher bei einer Führung ausgeschenkte Freibier nicht sonderlich vermissten. Nach wenigen hundert Metern erreichten wir bereits die Innenstadt. Vorher mussten wir die Wetter überqueren und konnten danach über die Schlossparkmauer hinweg hin und wieder einen Blick in den Park werfen.

Zu unserer großen Freude fanden in Lich gerade der historische Markt und das Altstadtfest statt. Da war ordentlich was los. Vor den Geschäften waren Stände aufgebaut, es gab Musik, und Menschen in altertümlicher Kleidung kamen vorbei. Dazwischen natürlich viele Schaulustige, so wie wir. Am Brunnen vor dem Rathaus erwartete uns bereits unser Führer für den Stadtrundgang. Ein netter älterer Herr, der über unsere kleine Gruppe sehr erfreut war, da er seine Stimme für ein Theaterstück schonen konnte, in dem er abends eine der Hauptrollen spielen sollte. Lustigerweise trafen wir während der Führung etliche Verkleidete in mittelalterlicher Tracht, die unser Führer mit ihrer Rolle beim abendlichen Theaterstück ansprach, darunter auch seinen „Sohn“, der aber vermutlich ebenso alt war wie der „Vater“.

Wir erfuhren viel über Lich, die Fürsten zu Solms-Hohensolms Lich, die noch heute in Lich in ihrem sehenswerten Spätrenaissance-Schloss wohnen, erfuhren Geschichten von und über mehr oder weniger bekannte, lebende oder vor langer Zeit schon verstorbene Bürger von Lich. Wir sahen das Textorhaus, ein mit vielen Holzschnitzereien verziertes Fachwerkhaus, erbaut 1632. Beeindruckend war die in den Jahren 1509 bis 1594 entstandene spätgotische Marienstiftskirche, Schmuckstück der Altstadt. Eine Anzahl wertvoller Grabdenkmäler, darunter die weit über den heimischen Raum hinaus bekannte Skulptur Kuno von Falkensteins und seiner Gemahlin Anna geben darin Zeugnis mittelrheinischer Gotik. Alles wird vom imposanten Wahrzeichen Lichs, dem 50 Meter hohen viereckigen Stadtturm überragt, Rest einer mittelalterlichen Festungsanlage, der kurz vor 1500 erbaut wurde. Rund um Lich finden sich noch Reste römischer Siedlungen und Befestigungen, denn der Limes und damit die nordöstliche Grenze des römischen Reichs verliefen unweit von Lich.

Nach der Führung und ausreichendem Klatschen als Dank für unseren Führer wandten wir uns der mittäglichen Stärkung zu. An einem reservierten Tisch fanden wir alle Platz und in der Karte auch für jeden die passende Speis und einen erfrischenden Trank. Wer wollte, musste nun auch nicht länger auf die Erzeugnisse der Licher Brauerei verzichten, und nach einer Stunde verließen wir alle gesättigt und zufrieden die gastliche Stätte.

Danach ging es zurück zur Marienstiftskirche und Pfarrer Falk hielt eine kurze Andacht. Es war schon beeindruckend, unsere kleine Gruppe in der großen, leeren Kirche — man kam sich irgendwie ziemlich klein vor in diesem Gotteshaus mit seiner langen Geschichte, umgeben von den Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Anschließend hatten wir eine Stunde Zeit und jeder konnte sich ansehen, was sie oder ihn interessierte. Meine Frau und ich umrundeten den Schlosspark, schauten noch einmal das Schloss an, bummelten durch die Innenstadt mit ihren Fachwerkhäusern und gingen dann im Schatten der Marienstiftskirche neben dem Mittelaltermarkt, bei den Landfrauen, zu Kaffee und Kuchen über, um für die Rückfahrt gestärkt zu sein. Diese Damen machten uns die Auswahl bei den vielen wunderschön anzusehenden Kuchen und Torten nicht leicht. So nach und nach traf sich dann die ganze Gruppe wieder hier und allen fiel die Wahl an der Kuchentheke ebenso schwer wie uns. Am Ende waren wir alle überzeugt, dass alleine wegen dieser Kuchen der Ausflug gelohnt hatte.

Pünktlich verließen wir unsere Bänke und gingen außen um den Schlosspark herum zum Bahnhof. Eine lustige Begebenheit am Rande war, dass Pfarrer Falk fast zum Schwarzfahrer wurde, da er vergessen hatte, dass er für sich noch eine Fahrkarte kaufen musste. Zur Freude aller, die es bemerkten, eilte er plötzlich hinter die Fahrkartenautomaten, während der Zug schon einfuhr. Wir stellten uns neben den Führerstand, um bei Bedarf den Lokführer an der Abfahrt zu hindern und wären damit wieder für eine Verspätung beim RMV verantwortlich gewesen. Aber alles ging gut und so stand einer entspannten Rückfahrt in pünktlichen Zügen nichts mehr im Wege. Gegen 18 Uhr erreichten wir Schierstein und freuten uns alle über diesen schönen Tag, der so viele neue Eindrücke gebracht hatte.


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