Menu
Menü
X

Predigt zum Gründonnerstag 2020 (09. April), Auferstehung und Schelmengraben

Text: 2. Mose 12, 1 - 14 Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder! Heute, am Gründonnerstag 2020, feiern wir „Abendmahl in Trockenübung“. Abendmahl ohne Gemeinschaft, ohne Gottesdienst, ohne das Schmecken und Se-hen, ohne Grüne Soße, ohne ...

Lieder und Gebete, Abendmahl virtuell, ohne Brot und Wein bzw. Traubensaft. Das ist hart. Aber es ist in diesem Jahr nicht zu ändern. Das Corona-Virus kennt keine heiligen Feiertage. Und so wie uns Christ*innen, ergeht es auch den Jüdinnen und Juden im Blick auf das Passahfest und den Muslim*innen im Blick auf den Ramadan. Alle können nicht so feiern wie gewohnt.

Unser Predigttext führt uns heute in die Ursprünge des Abendmahls, zum Passahfest.

Als das Volk Israel als Sklaven in Ägypten lebte und Gott es durch Mose befreien wollte, dauerte es 9 Plagen lang, ohne dass der Pharao die Israeliten ziehen lassen wollte. Immer wieder verweigerte er die Ausreise. Bezahlen musste die Starrköpfigkeit des Königs das unschuldige Volk, wie so oft.

Die zehnte Plage stand bevor, die Tötung aller Erstgeborenen, außer in den Häusern, deren Türrahmen mit dem Blut von Lämmern bestrichen war.

In den Häusern sollten die Israeliten reisefertig ihr letztes Abend - Mahl in Gefangenschaft feiern, bevor sie fliehen sollten. Und bis heute feiern jüdische Menschen im Passahfest diesen Auszug und dieses Mahl.

Predigttext: 2. Mose 12, 1 – 14

1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland:

2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.

3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus.

4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.

5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen

6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend.

7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen,

8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen.

9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen.

10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen.

11 So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa.

12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR.

13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.

14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung

 

Das Passahmahl ist ein Mahl der Befreiung. Gott befreit mit diesem Mahl sein Volk aus der Sklaverei. Nach diesem Mahl und der Nacht des Schreckens jagt der Pharao die Israeliten geradezu aus dem Land und sie begeben sich auf den Weg in das Land, das Gott ihnen verheißen hat.

Die Befreiung, die Gott seinem Volk schenkt, geschieht nicht dadurch, dass das Böse weggezaubert wird. Befreiung gibt es oft nicht ohne Einsatz, ohne Tränen, ohne Blut, das fließt. Frei zu werden ist Arbeit, manchmal harte Arbeit. Jeder Mensch, der in seinem Leben zum Beispiel von einer Sucht befreit worden ist, weiß, dass dieser Weg kein Spaziergang ist.

Gott ist ein Gott, der Freiheit für seine Menschen möchte. Er möchte Fesseln lösen und Gewaltherrschaft durchbrechen. Und als Gott der Befreiung ist er auch ein Gott, der Veränderungen bejaht. Freiheit soll kein Traum bleiben. Deshalb hat er die Hilferufe seines Volkes damals in Ägypten erhört. Und er erhört sie bis heute.

Sein Volk soll in Freiheit seinem Gott die Ehre geben dürfen und soll leben in einer Welt ohne Verfolgung, Angst und Druck von irgendwelchen Machthabern, die ihr bösartiges Gewaltmonopol an Wehrlosen genüsslich ausleben.

Der Pharao damals musste seine Selbstherrlichkeit und Arroganz bitter bereuen.

Die Führung der kommunistischen Partei in China heute, Machthaber wie Putin in Russland, Orban in Ungarn oder Erdogan in der Türkei oder gar die Ewiggestrigen in Nord-Korea sollte diese biblische Geschichte genau lesen und ins Grübeln kommen. Denn Unfreiheit und Diktatur, Einsperren Andersdenkender und Gewalt haben keine Zukunft, weil, wie gesagt, unser Gott ein Gott der Befreiung ist.

 

Gott solidarisiert sich mit den Menschen, die Unrecht und Unterdrückung erleiden, damals wie heute.

Am Ende der Passahgeschichte stand nach schwerer Zeit der Sieg der Befreiung. Das Volk kam nach langem und beschwerlichem Weg über eine lange Zeit am Ziel im Lande Kanaan an.

Jesus feierte mit seinen Jüngern genau dieses Passahfest, das Befreiungsmahl, am Abend bevor er verraten, gefangen, verhört, gefoltert und gekreuzigt wurde. Er wollte mit seinen Jüngern zusammen sein und Gemeinschaft mit ihnen haben, eine Gemeinschaft, die Kraft schenkt.

Jesus, Gottes Sohn, weiß, dass sein Weg zur Befreiung der Weg ans Kreuz ist. Aber er weiß sich von Gott, seinem himmlischen Vater, gehalten und getragen, der in ihm und um ihn herum ist. Deshalb kann er Ja sagen zu diesem Befreiungsweg. Und nach seinem Tod wird er als Auferstandener der Sieger sein über den Tod und über alle und alles, was den Tod bringen kann.

Und diese Befreiungstat gilt nicht nur für ein einzelnes Volk, sondern die Befreiung gilt für alle Menschen aus allen Völkern, die ihm vertrauen. Sie sind sein Volk, genauso wie Israel sein Volk ist und bleibt.

Das Christentum ist damit eine über alle Nationen hinausgehende Befreiungsbewegung. Schade, dass vielen Christen dies in der Vergangenheit auch nicht bewusst war, sondern Kirchen in Jesu Namen leider auch Menschen gegängelt, unterdrückt und mit Gewalt übersäet haben.

So war das von Gott damals nicht gedacht, als Jesus, Gottes Sohn, seinen Weg ans Kreuz ging. Gott möchte eine umfassende Freiheit für sein Volk, eine Freiheit für alle, die an Sünden, Schuld und Tod kranken und leiden. Er solidarisiert sich mit seinen Menschen, er setzt sich mit ihnen an einen Tisch. Er stärkt sie und will ihnen Mut machen. Er bleibt bei ihnen und führt sie auf den Weg in die Freiheit.

Das Abendmahl möchte uns Gottes Kraftquelle auf dem Weg der Befreiung sein.

Nur, es braucht auch das Volk, das loszieht. Ohne sich auf den Weg zu machen, gibt es keine Befreiung. Somit war das Passahfest der Juden und ist das Abendmahl von uns Christen nicht nur ein Geschenk, sondern ist auch die Aufgabe, dass wir uns auf den Weg begeben und nicht in der Sklaverei stehen bleiben. Befreiung will gelebt werden, genauso wie die Freiheit verantwortungsvoll mit sozialer Verant-wortung gelebt sein will. Dazu möchte uns Jesus fähig machen. Hierzu ist es wichtig, immer wieder gemeinsam das Abendmahl zu feiern und die Worte aus der Bibel zu hören in der Gemeinschaft, die auf dem Weg des Lebens ist.

Jesus hat versprochen (Matthäus 18,20): „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Auch wenn wir heute nicht gemeinsam feiern können, es wird irgendwann einmal wieder möglich sein und es wird uns Zuversicht und Kraft schenken.

Gott möchte Veränderung in der großen Welt (Frieden, Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit) und in Ihrem/Deinem persönlichen Leben (Glaube, Hoffnung Liebe). Gründonnerstag ist Gottes Stärkung zum Aufbruch. Vertrauen wir Jesus Christus und tun wir was dafür! Das ist die Zumutung Gottes.

Und wer den Mut hat aufzubrechen, der wird erfahren, dass Gott sein Versprechen hält. Wer den Mut nicht hat, bleibt in dem, was ihn gefangen nimmt und unterdrückt. Und er /sie vertut damit die Chance seines/ihres Lebens.

Dazu eine kleine Geschichte aus Brasilien, verfasst von Paulo Coelho, dem bekannten brasilianischen Schriftsteller (in Hoffsümmer, Kurzgeschichten, Band 8, Nr. 29)

 

Die dünnen Fesseln

Einem Dompteur gelingt es, einen Elefanten mit einem ganz einfachen Trick zu beherrschen. Er bindet das Elefantenkind mit einem Fuß an einen großen Baumstamm.

So sehr es sich auch wehrt, es kann sich nicht befreien. Ganz allmählich gewöhnt

es sich daran, dass der Baumstamm stärker ist als es selbst. Wenn der Elefant erwachsen ist und ungeheure Kräfte besitzt, braucht man nur eine Schnur an seinem Bein zu befestigen und ihn an einen Zweig anzubinden, er wird nicht versuchen, sich zu befreien. Er erinnert sich daran, dass er diesen Versuch unzählige Male vergebens unternommen hat.

Wie bei den Elefanten stecken auch unsere Füße in Schlingen, die uns halten. Manchmal sind diese Schlingen nur sehr dünn. Sie nehmen uns gefangen. Da wir an die Macht unseres persönlichen Baumstammes gewohnt sind, wagen wir nicht, uns zu wehren und zu befreien. Und wir vergessen darüber, dass es oft nur einer einfachen, mutigen Tat bedarf, um unsere Freiheit zu erlangen.

Jesus möchte uns Mut machen, den Schritt zur Freiheit zu wagen.

Amen

 

Gebet:

Herr, unser Gott, du willst uns in die Freiheit führen. Lehre uns erkennen, was uns unfrei macht: verbissener und verbitterter Glaube; Festhalten an dem, was einst gut war, nun aber nicht mehr trägt; genauso aber auch die Sucht nach ewigem Neuen, nur weil es neu ist. Hilf uns darauf zu vertrauen, dass unsere Wege Wege mit dir sind, treuer Gott – und zeige uns den Weg in die lebendige Freiheit.

Amen


top