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Predigt zum Sonntag Judica 2020 (29. März 2020), Auferstehung & Schelmengraben

Text: Markus 13, 1 – 13 (Gute Nachricht) Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder! Die Welt spielt verrückt. Hamsterkäufe sind ein kurioses Phänomen dieser Zeit, das wir tagtäglich durch die leeren Regale vor Augen haben.

Bilder aus Italien schockieren uns mit unendlichen Reihen von Särgen der Opfer des Virus.

Und, was wir alle spüren, das öffentliche und private Leben bei uns und in anderen Ländern ist so gut wie verschwunden.

In der Wohnung bleiben, Einkaufen gehen, zum Arzt, Spazieren gehen … das war’s für uns alle.

Und wie ein dunkler Schatten fallen auf uns die Wirtschaftsdaten der Zukunft auf uns: etwa 95 % der Wirtschaft sieht allergrößte Schwierigkeiten und eine unvorstellbar große Zahl von Unternehmen hat Angst um ihr Überleben. Rezession und Arbeitslosigkeit , wirtschaftliche Talfahrt… ein Horror-Szenario für Deutschland, Europa und die Welt.

Schreckliche Zukunftsperspektiven, Endzeitstimmung – ist das unsere Zukunft?

Jesus hat im Blick auf die Zukunft wenig Tröstliches gesehen und schon ein dunkles Sturmgemälde von dem, was da kommt, gezeichnet.

Von ihm ist ein Gespräche mit seinen Jüngern überliefert (Markus 13, 1 – 13, Übersetzung Gute Nachricht)

1 Als Jesus danach den Tempel verließ, sagte einer seiner Jünger zu ihm: »Lehrer, sieh doch nur diese gewaltigen Steine und diese prachtvollen Gebäude!«

2 Da sagte Jesus: »Du bewunderst diese mächtigen Bauten? Hier wird kein Stein auf dem andern bleiben. Alles wird bis auf den Grund zerstört werden«

3 Dann ging Jesus auf den Ölberg. Dort setzte er sich dem Tempel gegenüber nieder. Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas waren bei ihm. Sie fragten ihn:

4 »Sag uns, wann wird das geschehen? Und woran können wir erkennen, dass das Ende von allem bevorsteht?«

5 Jesus sagte zu ihnen: »Seid auf der Hut und lasst euch von niemand täuschen!

6 Viele werden unter meinem Namen auftreten und von sich behaupten: ›Ich bin es!<

Damit werden sie viele irreführen.

7 Erschreckt nicht, wenn nah und fern Kriege ausbrechen. Es muss so kommen, aber das ist noch nicht das Ende.

8 Ein Volk wird gegen das andere kämpfen, ein Staat den andern angreifen. In vielen Ländern wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Das ist aber erst der Anfang vom Ende – der Beginn der Geburtswehen.«

»Was euch angeht, so seid darauf gefasst, dass sie euch an die Gerichte ausliefern und in den Synagogen auspeitschen werden. Auch vor Statthaltern und Königen werdet ihr stehen um meinetwillen, um auch vor ihnen als Zeugen für mich auszusagen; denn nach Gottes Plan muss die Gute Nachricht allen Völkern verkündet werden, bevor das Ende kommt.

Wenn sie euch verhaften und an die Gerichte ausliefern, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen sollt. Sagt, was euch in dem Augenblick eingegeben wird. Denn nicht ihr werdet dann reden, sondern der Heilige Geist wird aus euch sprechen.

12 Ein Bruder wird den andern dem Henker ausliefern und ein Vater seine Kinder. Kinder werden sich gegen ihre Eltern stellen und sie in den Tod schicken.

13 Alle Menschen werden euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber wer bis zum Ende standhaft bleibt, wird gerettet werden.«

Von Krieg redet Jesus da, von Zerstörung, von Gewalt, von Entzweiung und von Denunziation selbst im engsten Familienkreis. Ein Horror, in solchen Verhältnissen leben zu müssen.

Hinzu kommen, laut Jesus, noch viele Scharlatane mit Fake – News und dem Anspruch, der Erlöser zu sein, die Menschen in Verwirrung bringen und verunsichern.

In diesen Worten Jesu spiegelt sich schon die Katastrophe des Jahres 70 wieder, in dem die Römer Jerusalem und den Tempel dem Erdboden gleich machten und in den Folgejahren die Zeit der Christenverfolgungen einsetzte. Schwere Jahre werden da von Jesus prognostiziert, wenig lebenswerte Aussichten sind dies.

Schwere Zeiten, Monate, Jahre prognostizieren auch Wirtschaftsfachleute und Gesundheitsexperten für uns und den Rest Europas, ja sogar der Welt.

Ebenfalls wenig lebenswerte Aussichten sind dies. Sie klingen wie eine Übersetzung der Endzeitvision Jesu in heutige Verhältnisse.

Aber, ich finde, da ist ein gehöriger Unterschied zwischen Jesus und allen Schwarzmalern von heute.

Der Unterschied liegt in einem kleinen Satz, der vielleicht schnell überlesen wird.

8 Ein Volk wird gegen das andere kämpfen, ein Staat den andern angreifen. In vielen Ländern wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Das ist aber erst der Anfang vom Ende – der Beginn der Geburtswehen.«

Eine kleine Satzergänzung ist der Unterschied zu aller Katastrophen-Prognose:

der Beginn der Geburtswehen.«

In Jesu Horrorszenario geht es nicht um Schwarzmalerei. Es geht ihm um die Geburt eines neuen Lebens. Eine Geburt ist mit Schmerzen verbunden, aber am Ende kommt Leben auf die Welt, die Schmerzen sind vergessen und die Freude am Leben ist da.

Das Reich Gottes ist das „neue Leben“, das Jesus hinter dem Desaster des Untergangs und der Zerstörung erkennt. Am Ende sollen nicht Tod und Leid, sondern Leben und Erlösung stehen. Genau das ist geworden, als Jesus am Kreuz starb und ihn der Tod ereilte. Seine Gegner hatten gesiegt – meinten sie. Aber Jesus ist auferstanden. Neues Leben ist geworden für ihn und für alle, die ihm vertrauen, ihn

als Retter, als Weg, Wahrheit und Leben erkennen. Das Alte, Gewohnte, vergeht, aber Gottes lässt Neues wachsen, gibt dem Leben eine neue Chance, schlägt ein neues Kapitel auf, damals bei Jesus – und, da bin ich fest von überzeugt, heute bei uns.

Wir werden es vielleicht erleben, dass geliebte Strukturen unseres Lebens und vertraute Gewohnheiten ihr Ende finden. Unser Wirtschaften mit dem Ziel, immer mehr, immer größer und immer höheren Gewinn zu erlangen, wird wahrscheinlich einen gehörigen Dämpfer erhalten. Manche Firmen und manche Arbeitsplätze mag

es vielleicht nicht mehr geben und unser westlicher Lebensstil wird unter Umständen an die Wand gefahren durch dieses Virus. Das ist bitter und schwer.

Aber, es wird nicht das Ende herbeikommen, sondern neues Leben, neue Lebensweisen werden möglich. Das ist Leben mit neuen Schwerpunkten.

Vielleicht geht es in diesem neuen Leben nicht mehr um den Menschen als Maßstabe aller Dinge, sondern vielleicht rücken die Menschen nach der Krise Gott in den Mittelpunkt ihres Lebens. Wir Menschen spielen ja gerne überheblich die Rolle der „Weltenlenker“. So ein kleines Virus zeigt uns, wie hilflos wir sind und wie lachhaft unser gottähnlicher Anspruch.

Vielleicht wird das neue Leben viel bescheidener sein, mit weniger Flugreisen und weniger AIDA- Kreuzfahrten und weniger extravaganten Wohlstandsspleens. Aber vielleicht wird es ein Leben sein mit mehr Tiefgang, mehr Schutz der Umwelt, der Tiere und Pflanzen, mit mehr Mitmenschlichkeit, weil Menschen erkannt haben, dass es nicht ums Geldraffen geht, sondern Gott der Liebe im Leben Raum geben will. Vielleicht geht es in uns auf, dass „Glück“ nicht bedeutet, immer mehr zu haben und immer weiter in die Welt hinaus zu ziehen, sondern das kleine Glück um die Ecke zu würdigen und zu genießen.

Vielleicht werden nicht mehr die Starken und Reichen mehr oben stehen, sondern es werden – ganz im Sinne Jesu – die Schwachen und Armen in die Mitte genommen.

Vielleicht werden wir zu einem neuen Miteinander finden, in dem Nächstenliebe, Frieden in der Welt, soziales Verhalten und Gerechtigkeit keine Fremdworte oder Lippenbekenntnisse mehr sind, sondern in der Politik und tagtäglichen Leben von uns allen umgesetzt werden.

Vielleicht, ja vielleicht kann sich viel in unserer Welt zum Guten ändern, nach der

Krise, wenn wir dem neuen Leben, das Gott uns schenken will, Raum geben und wir nach der Krise dem Leben und nicht der Ausbeutung dienen.

der Beginn der Geburtswehen.«

So beschriebt es Jesus in unserem Text. Es wäre schön, wenn wir das Schreckliche im Jetzt als Chance zu neuem Leben in der Zukunft erkennen würden und endlich anfingen, im Namen Gottes, der uns unser Leben geschaffen hat, unser Leben zu führen und ihm die Ehre geben als einzelne, als Familien, als Nation, als Weltgemeinschaft.

Amen

Gebet:

Herr, gib Acht auf uns.

Denn das Meer ist so groß

Und unser Schiff ist so klein

Amen.

(Bretonisches Fischergebet)


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