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Predigt zum Sonntag Kantate 2020 (10.Mai), Auferstehung und Schelmengraben

Text: 2. Chronik 5, 2 – 5 + 12 – 14 Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde! Heute ist ein seltsamer Sonntag. Es ist der Sonntag „Cantate“. Das heißt „Singt“. „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Diese Aufforderung aus Psalm 98,1 ist die Überschrift über den Sonntag, ja über die ganze Woche.

Singen ist nicht nur Ausdruck der Seele, sondern ist ein Mittel, mit Gott in Kontakt zu treten.

Singen ist eine Art zu beten, mit Gott zu sprechen, ihm zu sagen, wie es um Dich, Mensch, steht, welche Anliegen Du hast oder dass Du Gott wunderbar findest.

 

Singen ist so wichtig für uns Menschen – und das Seltsame ist: gerade heute dürften aus Gründen der Corona – Schutzmaßnahmen nicht gemeinsam singen. Und wenn wir auch am 24. Mai in Auferstehung und am Pfingstsonntag (31. Mai) im Schelmengraben wieder mit den Gottesdiensten beginnen, dürfen wir das auch nicht.

Der Singe – Sonntag ohne gemeinsamen Gesang und ohne Chor, verrückt, nicht? Aber es ist Realität im Jahr 2020.

Passend zum Sonntag steht heute ein Text aus dem Alten Testament der Bibel im Mittelpunkt, in dem es auch um das Singen vor Gott geht. Es ist das feierliche Singen der Tempelpriester und Bediensteten in Jerusalem, mit dem sie zur Einweihung des Tempel in Jerusalem, der unter dem König Salomo gebaut wurde, festlich Gott die Ehre geben:

 

Predigttext: 2. Chronik 5, 2 – 5 + 12 – 14

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: "Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig", da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Eine große Inszenierung zur Ehre Gottes muss das gewesen sein. Die heiligen Geräte werden in den Tempel eingeführt, Musikinstrumente erklingen. Die Stimmen der Leviten, der wichtigsten Gruppe nach den Priestern, die von Gott ausgesondert waren, Gott im Tempel die Ehre zu geben und den Dienst sicher zu stellen, durchdringt die Tempelanlage und geht den vielen Besuchern dieses Eröffnungsgottesdienstes wahrscheinlich unter die Haut.

Musik und Stimmen, sie müssen so das Haus erfüllt haben, dass Gott persönlich spürbar gewesen ist in diesem Gottesdienst. Gott ließ sich herbeilocken durch den Gesang, durch die Musik, durch die Festlichkeit:

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: "Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig", da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Alle in Harmonie hören sich an wie eine Stimme, wie ein Instrument.

Lieder und Musik im Gottesdienst sind nicht eine lästige Pflichtübung – auch wenn das manchmal so erscheinen mag. Sie sind Kommunikation, sie machen den Gottesdienst festlich, sie laden Gott ein zu kommen. Sie sind wie Gespräch und Austausch und sie bringen Dir, Mensch, Gott nahe.

Am Ende des Gesangs, so sagt unser Text, war der Tempel so voller Gott, dass die Priester gar keinen Opfergottesdienst mehr beginnen konnten. (Heute in Corona – Zeit wäre das gar nicht zulässig, Gottes Fülle ohne Mindestabstand). Damals – kein Problem - Gott war da und es war gut so.

 

Was hat der Text mit meinem Leben zu tun, habe ich mich gefragt, vielleicht Sie sich auch?

Ich merke, wir können nicht nur als Schaffende im Leben stehen,

analysieren, Probleme zu lösen versuchen, arbeiten, Geld verdienen, Wissen aneignen, das Rad der Wirtschaft am Laufen halten, studieren und Ziele verfolgen.

Wir brauchen auch die „Tankstellen“ für unsere Seele, die Musik, das singen, die Begegnungen mit Gott, Orte und Zeiten, die so ein Stück aus der Welt herausgenommen sind.

Zur Ruhe kommen, einen besonderen Kirchenort aufsuchen und Gottesdienst feiern. Das ist keine vertane Zeit, sondern Kraftquelle für den Alltag. Das ist gerade in den letzten Wochen für nicht wenige Mitmenschen zu einer Größe im Leben geworden. Es ist Gottesbegegnung, die es so schnell nicht an einem anderen Ort gibt.

Ausschlafen um jeden Preis oder sich den Feiertag und den Sonntag mit Arbeit so vollhängen, dass für Gott keine Zeit mehr bleibt, fährt uns Menschen früher oder später an die Wand und lässt uns als ausgelaugte, geistig verarmte und weltfremde Wesen zurück, deren Leben an Engführung erstickt und die keinen Bezug mehr zu dem haben, der sie einst ins Leben geschickt hat und der die Welt in seinen Händen hält.

Tage der Ruhe und des Gottesdienstes, an denen die Beziehung zu Gott gepflegt werden kann, brauchen wir wie die Tage des Arbeitens und Ranklotzens auch.

 

Ich nehme aus dem Text auch mit, wie wichtig es ist, Harmonie zu leben.

Alle Stimmen und alle Instrumente im Text klangen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen, ergänzten sich, bildeten miteinander die Melodie Gottes. Und sie bildet sich nur, wenn die einzelnen Stimmen aufeinander hören.

Einzelkämpfer, die sich gegen die anderen mit Macht durchsetzen und sich profilieren möchten, kommen nicht ans Ziel. Im Miteinander gelingt das Große, indem sich die Stimmen, die Kräfte, die Ideen und Kompetenzen gegenseitig ergänzen und an einem Strang ziehen, ein Ziel verfolgen.

Gerade in unserer so schweren Coronazeit brauchen wir keine Alleingänge von einzelnen Menschen, Forschern, Staaten oder Parteien, die sich auf Kosten anderer profilieren müssen. Im Miteinander, im Aufeinander-Hören und im gegenseitigen Sich-Raum-Geben liegt der Erfolg, nicht nur im Kampf gegen die Pandemie, sondern im Aushalten und Bewältigen der Herausforderungen, die uns bis in die alltäglichen Dinge bestimmen.

Harmonie meint nicht eine falsche, geheuchelte, sondern ein Miteinander, in dem alle respektiert und angenommen sind, sich einbringen und in ihrem Wert geschätzt werden. Wenn das in der christlichen Gemeinde, in unserem Ort, in dieser Stadt und in diesem Land gelingen würde, wäre Gottes Dabeisein sicher und alle würden am Ziel gut ankommen.

 

Und schließlich ist mir an diesem Text die Botschaft wichtig geworden, dass Menschen für Gott und im Namen Gottes ihren Mund aufmachen

und ihre Stimme erheben, so, wie es die Sänger zur Tempeleinweihung taten. Durch Schweigen und Sich-Heraushalten und Nicht- Mitmachen kommt kein Lied zustande und wird auch kein Ziel erreicht. Es braucht den Mut von Menschen, ihre Gabe, ihre Stimme, ihr Können der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, um dem Ganzen, der Gemeinschaft, den Weg zu einem guten Ziel zu schenken. Das kostet Zeit, das kostet Kraft, aber es bringt den Einzelnen und alle anderen weiter.

 

Festtage feiern und der Begegnung mit Gott Raum geben– Zusammenhalt und Harmonie leben – gemeinsam ein Ziel verfolgen – respektvoll und wertschätzende miteinander umgehen und den Mut haben, die Stimme gemeinsam zu erheben, sind Wege zu einem Guten Miteinander in der Zukunft.

 

Aus dem alten und eigentlich uns so fremden Text von der Tempeleinweihung vor vielen Jahrtausenden können wir für unser Miteinander in unserer schweren Coronazeit viel für unser Miteinander entnehmen.

Und wenn wir den Mut haben, „Gemeinschaft“ und „Zusammenhalt“ als Lebensinhalt für unser Leben mitzunehmen, dann wird Gott auch heute, ganz ohne Tempel, unter uns wohnen, und unsere Stimmen können ihm die Ehre geben. Und das, was Gott wichtig war und ist, was er auch viele Jahrhunderte nach der Tempeleinweihung durch Jesus Christus vorlebte, ist Frieden, Gerechtigkeit; Hoffnung, Hilfe für Schwache, Arme und Alte, Eintreten für Heilung statt für Zerstörung.

 

Wenn wir von dem, was Gott wichtig ist, ein Lied laut in die Welt hinaus singen könnten und mit unserem Leben Hand anlegten, dass Gott in dieser Welt die Ehre gegeben würde und Frieden, Gerechtigkeit und Nächstenliebe in Leben umgesetzt würden, dann wäre Gott in unserer Mitte, wie damals im Tempel, und unsere Kirchen wären Orte der Gotteserfahrung und der Lebendigkeit.

Also, ich freue mich, wenn wir durch unser Leben von Gottes Liebe singen würden.

Amen

 

Gebet:

 

Du rufst uns beim Namen, du kennst unsere Stimme.

Du freust dich an unserem Lied, Gott!

Du hörst, wenn wir zu dir kommen und singen:

Herr, erhöre uns!

 

Wir bitten dich für alle, die unter Gewalt und Krieg leiden.

Verwandle die Militärmärsche und Siegeshymnen

in neue Lieder: Kinderlieder, Friedenslieder, Freiheitslieder.

Wir kommen zu dir und singen:

Herr, erhöre uns.

 

Wir bitten dich für unser gesellschaftliches Zusammenleben:

Lass neue Lieder unter uns wachsen,

deren Einklang die Gegensätze untereinander ausgleichen.

Hilf, dass wir wieder Volkslieder singen,

die uns nicht von anderen trennen,

sondern uns miteinander verbinden.

Wir kommen zu dir und singen:

Herr, erhöre uns.

 

Wir bitten dich für unsere Kirche:

Schenke uns in ihr neue Lieder.

Lieder, die unsere Gedanken und Gefühle ausdrücken,

unsere Worte sagen,

die Melodien unserer Zeit wiedergeben,

uns erkennen lassen, wo die Musik heute spielt.

So dass wir dich von Herzen loben können,

wenn wir singen: Herr erhöre uns.

Amen

nach: Fürbittgebet, in: Neue Gottesdienstgebete, Gütersloh 2005, 72

 

Gottesdienste starten wieder, bis Mitte August alle vierzehn Tage in Auferstehung und Schelmengraben im Wechsel. Danach wird neu festgelegt.

(Der immense Aufwand, der uns wegen der Verhinderung von Corona-Ansteckungen auferlegt ist, lässt sich von den ehrenamtlichen Helfer*innen sonst leider nicht stemmen. Nähere Infos zum Ablauf folgen demnächst detailliert.)

 

Die Gottesdiensttermine sind (immer um 10 Uhr):

 

Auferstehung: 24.05 / 01.06. (Pfingstmontag) / 07.06. / 21.06 / 05.07.

 

Schelmengraben: 31.05 (Pfingstsonntag) / 14.06. / 28.06. / 12.07.


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