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Predigt zum Sonntag Misericordias Domini 2020 (26. April), Auferstehung und Schelmengraben

Text: 1.Petrus 2, 21b – 25 Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder! Heute, am 26. April trägt der Sonntag den Namen „Misericordias Domini“. Das kommt aus der lateinischen Sprache und heißt „Die Barmherzigkeit des Herrn“. Es geht heute um Gottes Liebe ...

zu uns Menschen. Im Volksmund heißt dieser Sonntag auch der „Gute- Hirte – Sonntag“. Denn ein Hirte war zu biblischer Zeit der Inbegriff von Fürsorge und Barmherzigkeit, von Anteilnahme und Schutz der Anvertrauten.

 

Das Bild zeigt einen Hirtenjungen mit einem seiner Ziegenbabys. Es wurde nach einer Flutkatastrophe aufgenommen. (Gd.-Praxis, Serie A, II, Band 2; S. 167) Es war das „World Press Foto 1989“, geschossen von Charles Hires.

Traurig, abwartend, fragend, vielleicht auch resigniert steht er mit seinem toten Tier in der Überschwemmung. Er entsorgt nicht das tote Zicklein, sondern bleibt bei ihm, teilt mit ihm die Katastrophe und hält die Katastrophe mit ihm aus.

Ein guter Hirte, läuft nicht weg, er versucht zu schützen und zu retten, oder aber auch das Leid mit seinen Tieren zu tragen.

 

Gute Hirten sind wichtig für eine Herde. Sie sind wie eine lebendige Lebensversicherung für die Tiere, die ihnen anvertraut sind.

Auch wir Menschen brauchen gute Hirten, gerade auch in schweren Zeiten wie die der Corona-Epidemie. Da sind wir wie eine ungeschützte, Herde, die schnell unter die Wölfe fallen kann, verletzlich, ausgeliefert. Da braucht es Hirten, die umsichtig mit ihrer Herde umgehen, und das Einzelne, das Kleine und Schwache nicht aus den Augen verlieren

Das Bild von Gott als dem guten Hirten ist sehr alt, stammt aus der Vorstellung des Volkes Israel und wurde im Psalm 23 in die wunderbaren Vertrauensworte gegossen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser....“

 

Gott ist für sein Volk der Hirte, dem seine Leute vertrauen können und dürfen. Jesus, Gottes Sohn und Retter für uns, hat von sich selber einmal gesagt:

(Johannes 10):

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Jesus hat sein Hirtenamt bis zur bittersten Neige durchgelebt. Er gab sein Leben für seine Schafe, für uns, er machte sich nicht aus dem Staub, sondern lässt an sich das Böse geschehen, damit er die Seinen rettet. Ich finde, wir haben einen wunderbaren Gott, einen Gott der Solidarität und einen Gott, der durch seinen Sohn alles gegeben hat, damit die Macht des Dunklen und des Todes gebrochen ist.

Deshalb ist Ostern das wichtigste Fest für Christen, weil wir den Sieg des guten Hirten feiern, durch den wir leben und hoffen können, auch wenn Leid, Krankheit und Tod auf uns einprasseln.

Da sind wir in unserem Jetzt und mit allem, was wir und die gesamte Schöpfung durchmachen an Gewalt und Krieg, Corona und Klimaveränderung.

Wir dürfen vertrauen. Wir haben den guten Hirten an unserer Seite, egal, was da kommt. Wir haben einen Hirten, der sich in das Schlammassel unseres Lebens mit hinein begibt und die Seinen, also uns, durch das dunkle Tal, durch die Krise, hindurchführt.

Der Beter des Psalms 23 formuliert das so:

„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich…“

In der schweren Zeit gibt der Hirte Mut, nicht aufzugeben, sondern in Hoffnung dem Morgen entgegenzugehen. Das, glaube ich, brauchen wir heute mehr denn je, weil eine derartige Situation haben viele von uns noch nie erlebt.

Dieser Sonntag soll ein Mutmach-Sonntag sein für uns alle, mit unserer Trauer und unseren Ängsten, unseren Schmerzen und unseren Sorgen. Denn wir brauchen die Erinnerung daran, dass wir im Leben nicht allein sind und dass Gott, der uns in der Taufe zu seinem Volk gemacht hat, und uns sein Versprechen gegeben hat, dass wir nicht aus seiner Hand fallen, egal, was passiert.

Und wir dürfen uns animieren lassen von Jesus, dem guten Hirten, selber Hirte zu werden, wie es im 1. Petrusbrief, dem heutigen Predigttext, sehr deutlich anklingt:

 

Predigttext: 1. Petrus 2, 21b-25

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;

22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;

23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Jesus hat sich aufgeopfert für die, die ihm anvertraut gewesen sind. Nun, ob von uns ein solches Opfer von Gott erwartet wird, weiß ich nicht. Aber vielleicht können wir sein Opfer in unseren Alltag übersetzen und einen Weg finden, wie wir…

nachfolgen seinen Fußstapfen

Sünde weglassen im Leben, die Trennung von Gott im Denken und Tun aufheben, mit ihm rechnen, auf ihn hören, mit ihm in Kontakt bleiben –darin können wir das, was Jesus lebte, nachleben und so in seinem Namen für andere zu Hirten werden.

 

Nicht weglaufen, sondern in der Not beistehen denen, die nicht mehr selber können, ehrlich sein, nicht in den verbalen Hassattacken mitmachen, die den Schuldigen suchen und ins Blaue hinein verbal auf alles schießen, was ihnen vor die Nase läuft.

Ehrlich sein, ohne Betrug leben, sich nicht etwas erschleichen oder abgreifen, was einem anderen zustehen könnte (auch nicht im Hamsterkauf). Gerechtigkeit und Solidarität leben, das, was Jesus in seinem Leben beispielhaft vorgelebt hat, dass schenkt dem guten Hirten den verlängerten Arm ins Heute.

25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Mit diesen Worten endet der Text und bringt den Hirten, Jesus, uns Spiel. Wer so zu leben versucht, wie es unser Text anspricht, lebt wie ein Hirte in der Nachfolge Jesu.

Danke, wer es versucht, bei allen Fehlern und allen Zweifeln, die uns Menschen auch anhaften.

Danke allen, die als Schwestern, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, Putzfrauen, Busfahrerinnen und Busfahrer, aufmerksame Nachbarinnen und Nachbarn, Bäcker, Supermarktangestellte, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher und als umsichtige Politikerinnen und Politiker und in vielen anderen Funktionen Menschen als Geschöpfe ansehen, die ihnen von Gott anvertraut worden sind.

 

Danke allen, die zuvorkommend anderen zur Seite stehen, ohne an ihren eigenen Vorteil zu denken, die bis zur Erschöpfung ihre Kraft und Kompetenz einsetzen, dass Menschen unbeschadet durch die Krise kommen oder zumindest heile werden können.

Sie alle sind Menschen, die das, was zu einem Hirten gehört, heute in Leben umsetzen und damit Nachfolger/innen Jesu werden.

 

Hirte sein kann ganz einfach beginnen, wie bei Jesus, indem ein Mensch mit offenen Augen durchs Leben geht und vor der Not und den Bedürfnissen seines Mitmenschen nicht die Augen verschließt, sondern Zeit, Kraft, Ideen oder Materielles abgibt, ohne Angst, zu kurz zu kommen. Da tut sich der Himmel auf und ein Hoffnungsschein kommt durch die finsteren Wolken der Realität hindurch, wärmt, hellt auf, schenkt Mut zum Leben und lebt seine Lebensbestimmung. Denn, wie sagt unser Text?

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;

Und das schenkt dem, der sich darauf einlässt, Lebenssinn und Erfüllung. Denn Nachfolge scheint zurück auf den Nachfolger selber.

Der Psychologe C.G. Jung einmal formuliert:

„Wir gewinnen aus dem Selbstopfer uns selbst, denn nur was wir geben, das haben wir.“. Amen.

 

Psalm 23:

Ein Psalm Davids

1 Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen


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